Die Ergebnisse des Koalitionsausschusses setzen aus Sicht des Einzelhandels wichtige wirtschaftspolitische Signale. Für eine spürbare Belebung des Konsums und eine nachhaltige Stärkung des Standorts Deutschland reichen die beschlossenen Maßnahmen jedoch noch nicht aus.

Positiv zu werten ist dabei der Verzicht auf eine Mehrwertsteuererhöhung – ein klares Signal für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Unternehmen. Die geplanten Entlastungen bei der Einkommensteuer gehen zwar in die richtige Richtung, dürften in ihrem Umfang aber nicht ausreichen, um den privaten Konsum merklich anzukurbeln. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth kommentiert: „Die vorgestellten Reformen enthalten aus Sicht des Einzelhandels wichtige und richtige Ansätze, auch wenn sie hinter den Erwartungen an einen großen wirtschaftspolitischen Impuls zurückbleiben. Gerade bei den Entlastungen werden die Auswirkungen auf den Konsum vermutlich überschaubar sein."

Arbeitsrechtliche Änderungen: Teilerfolge, aber Flexibilisierung fehlt
Ausdrücklich begrüßt wird die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung – eine seit Langem überfällige Maßnahme. Ebenfalls positiv bewertet werden die Ausweitung der sachgrundlosen Befristung auf maximal 48 Monate sowie der ab 2027 vorgesehene Wegfall des Schriftformerfordernisses bei Befristungen. Bedauerlich ist hingegen, dass eine Flexibilisierung der Arbeitszeit nicht Teil des Pakets ist. Der Wechsel zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit direkt im Arbeitszeitgesetz wäre ein wichtiger Schritt gewesen.
Minijobs: Empfehlungen der Alterssicherungskommission abzulehnen
Mit Sorge werden die Vorschläge der Alterssicherungskommission zur Minijob-Regelung betrachtet. Minijobs sind für den Handel operativ unverzichtbar – insbesondere angesichts der branchentypischen Stoßzeiten. Eine faktische Abschaffung dieser Beschäftigungsform wird abgelehnt. Die vorgesehene Ausnahmeregelung für Schülerinnen und Schüler greift zu kurz; mindestens Studierende sowie Rentnerinnen und Rentner müssten ebenfalls ausgenommen werden.
 

Positiv bewertet werden die angekündigten Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Ein wirksames Berichtsentlastungsgesetz mit dem Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten kann Unternehmen spürbar entlasten. Genth betont: „Entscheidend ist jetzt, dass die angekündigten Vorhaben schnell umgesetzt werden. Viele der bislang angekündigten Entlastungen sind im Unternehmensalltag noch nicht angekommen."

Weitere Schritte erforderlich
Der eingeschlagene Kurs muss konsequent fortgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere eine dauerhafte Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent sowie eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen. Angesichts der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage braucht es weitere Maßnahmen, um den Standort Deutschland zu stärken und den Konsum nachhaltig zu beleben.
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