Der Einzelhandel spricht sich gegen Pläne aus, Minijobs abzuschaffen oder deutlich einzuschränken. Aus Sicht der Branche sind geringfügige Beschäftigungen weiterhin ein wichtiges Flexibilitätsinstrument – für Beschäftigte wie für Unternehmen.

Nach Einschätzung des Handelsverband Deutschland (HDE) werden Minijobs in der Praxis häufig bewusst nachgefragt, weil sie sich besonders gut mit individuellen Lebenslagen vereinbaren lassen – etwa wenn aufgrund familiärer oder anderer Verpflichtungen kein höheres Arbeitszeitvolumen möglich ist. Hinzu kommt, dass viele Beschäftigte den finanziellen Vorteil eines „brutto für netto“-Effekts suchen, beispielsweise wenn bereits ein weiteres Einkommen vorhanden ist.

Trotz der wirtschaftlich herausfordernden Lage beschäftigt der Einzelhandel laut HDE weiterhin mehr als 3,1 Millionen Menschen in Deutschland; rund 800.000 davon arbeiten geringfügig. Minijobs seien für Arbeitgeber ein zentrales Instrument, um Stoßzeiten – etwa zu umsatzstarken Tageszeiten, in Ferien- und Saisonphasen oder bei Aktionen – verlässlich abzudecken. Ohne diese Flexibilität lasse sich ein flächendeckender Service während der Öffnungszeiten kaum sicherstellen. 

Eine grundsätzliche Beitragspflicht auch für sehr kleine Jobs würde nach Darstellung des HDE die Nettoentgelte spürbar senken und die Attraktivität dieser Tätigkeiten reduzieren. Gleichzeitig wären die zusätzlichen Ansprüche in Renten- und Arbeitslosenversicherung wegen des geringen Stundenumfangs vielfach nur minimal. Zudem warnt der HDE vor deutlich mehr Bürokratie – sowohl bei den Sozialversicherungsträgern als auch in den Betrieben. 

Durch die Koppelung an die Mindestlohnentwicklung ist unabhängig von der politischen Debatte die Verdienstgrenze im Minijob auf derzeit 603 Euro pro Monat gestiegen.

Der HDE verweist zudem darauf, dass Arbeitgeber im Minijob-System bereits heute strengen, bußgeldbewehrten Aufzeichnungspflichten unterliegen. Eine Reform, die vor allem zusätzliche Abgaben und Verwaltungslasten schaffe, bringe aus Sicht des Verbandes weder Beschäftigten noch Unternehmen noch der Verwaltung einen echten Mehrwert.

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