Temu und Shein verstoßen systematisch gegen EU-Recht und verschaffen sich damit massive Wettbewerbsvorteile gegenüber heimischen Händlern. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden für Deutschland auf 2,4 Milliarden Euro pro Jahr.
460.000 Pakete täglich – auf Kosten fairer Regeln
Allein nach Deutschland liefern Temu und Shein täglich rund 460.000 Pakete, EU-weit sind es zwölf Millionen pro Tag (Stand 2025). Hinter diesen Zahlen steckt ein strukturelles Problem: Beide Unternehmen halten sich nach Einschätzung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) nicht an geltende EU-Vorschriften. Sie liefern teils unsichere, gesundheitsgefährdende Waren in den europäischen Markt – ohne die Kontrollen und Auflagen, denen inländische Händler täglich unterliegen.
Milliardenschäden für Wirtschaft und Steuerzahler
Das hat konkrete wirtschaftliche Folgen: Laut der IW-Studie, die im Auftrag des HDE unter 4.000 Befragten im Alter von 16 bis 69 Jahren durchgeführt wurde (Befragungszeitraum: Februar 2026), gehen der deutschen Wirtschaft jährlich 2,4 Milliarden Euro Wertschöpfung verloren. Davon entfallen 1,3 Milliarden Euro allein auf den Einzelhandel. Bund, Ländern und Kommunen entgehen durch die Praktiken der beiden Plattformen zudem rund 429 Millionen Euro an Steuereinnahmen pro Jahr. Mehr als 40.000 Arbeitsplätze fallen dem unfairen Wettbewerb zum Opfer – 28.300 davon im Einzelhandel.
Forderungen nach konsequenter Durchsetzung
Der HDE fordert von der Politik entschlossenes Handeln. Konkret verlangt der Verband verstärkte Schwerpunktkontrollen des Zolls bei der Paketeinfuhr – vergleichbar mit dem Vorgehen in Frankreich. Darüber hinaus erneuert der HDE seine Forderung, dass Händler und Plattformen aus Drittstaaten einen solventen, erreichbaren Repräsentanten innerhalb der EU benennen müssen. Nur so lassen sich Sanktionen bei Verstößen tatsächlich durchsetzen. Sollten diese Maßnahmen nicht greifen, schließt der Verband auch ein Verbot der betreffenden Plattformen nicht aus.
Für Einzelhändler verdeutlichen diese Zahlen die Dringlichkeit des Themas: Wer alle Gesetze einhält und Steuern zahlt, kann mit Anbietern, die sich diesen Pflichten entziehen, strukturell nicht konkurrieren.
Grundlage: IW-Studie im Auftrag des HDE, Bevölkerungsbefragung Februar 2026 (n = 4.000). Weitere Informationen: www.einzelhandel.de/temu-shein

